Guten Morgen, Armut!

Am Nachmittag beginnt im griechischen Parlament die Debatte über das Memorandum 2.

Gestern warf der linke Syriza-Abgeordnete Lafazanis der Regierung vor, einen parlamentarischen Putsch durchsetzen zu wollen: Sie erwarte von den Abgeordneten, ein Konvolut von Maßnahmen zu beschließen, ohne dass es die Zeit habe, es überhaupt zu lesen. Daraufhin fing Finanzminister Venizelos an herumzuschreien: „Sagen Sie, dass Sie nicht wollen, dass das Land das Geld bekommt, dass es pleite gehen soll. Sie sind ein Vertreter des Griechenlands der Pleite, der Drachme, der Erniedrigung und der Verelendung.“

Zitat von Seite 2 des „Letter of Intent“, den die griechische Regierung an den IWF schicken wird, wenn das Memorandum verabschiedet ist:

„We remain committed to our ambitious privatization plans. Transferring assets in key sectors of the economy to more productive users through privatization and concession will encourage private investment and support longterm growth.“

Will heißen: Alle Schlüsselsektoren der griechischen Wirtschaft, die noch in öffentlicher Hand sind, sollen privatisiert werden. Eine Operation, die streng dem Rezeptbuch der Chicago Boys folgt – so auch die These der „Debtocracy„-Macher Katerina Kitidi und Aris Chatzistefanou  in ihrem neuen Film „Catastroika“, zu dem es schon einen Trailer, leider nur auf griechisch gibt.

Auf Seite 20 des geleakten „Letter of Intent“ hat jemand die Worte „Guten Morgen, Armut!“ gekritzelt.

12. Februar: "Guten Morgen, Armut!"

Alle erwarten, dass das Memorandum heute beschlossen wird. Auf dem Syntagma-Platz werden sich ab cirka 15 Uhr die Demonstranten einfinden. Falls das Gewitter, das sich derzeit über Athen entlädt, bis dahin vorbei ist, könnten es 250.000 Menschen werden, so die Einschätzungen, die man uns gegeben hat. Vielleicht weniger, vielleicht mehr. Die „Real Democracy“-Aktivistinnen und Aktivisten aus der Syntagma-Besetzung von 2011 wollen zumindest den Tränengasattacken der Polizei widerstehen.

12. Februar: "Guten Morgen, Armut!"12. Februar: "Guten Morgen, Armut!"

Um für die Konfrontationen auf dem Syntagma-Platz gewappnet zu sein, haben wir auf Anraten der „Real Democracy“-Leute folgende Ausrüstungsgegenstände besorgt: Einweg-Gasmasken sowie die säurebindenden Medikamente Maalox und Riopan.

12. Februar: "Guten Morgen, Armut!"12. Februar: "Guten Morgen, Armut!"