“Die großen Parteien haben die Agenda für die Neonazis geschaffen.”

Ein Interview mit Christos Giovanopoulos.

Die Neonazi-Partei Chrysi Avgi (“Goldene Morgenröte”) hat auch bei dieser Wahl wieder 6,9 Prozent bekommen und wird mit 18 Sitzen die fünftgrößte Fraktion im Parlament sein. 425.981 Menschen haben den Faschos ihre Stimme gegeben. Der parlamentarische Aufstieg der rassistischen Partei macht auch ihre Schlägertrupps salonfähig. Ein Taxifahrer erzählt uns: “Die machen wenigstens was” und berichtet von einem Vermieter, der angeblich Ärger mit seinen pakistanischen Mietern hatte und von den Fascho-Schlägern “gerächt” wurde. Antirassistische Aktivistinnen, die wir in Exarchia treffen, sind ziemlich fassungslos: “Früher konnte man als Nazi nicht offen agieren”, sagen sie und erzählen, dass die Anzahl der Übergriffe auf Migrantinnen und Migranten exorbitant zugenommen haben – und zwar öffentlich und sichtbar: “Sie prügeln auf die Leute ein und tragen dabei Chrysi Avgi-Shirts.”

 

 

Wandmalerei in Exarchia: Genealogie der parlamentarischen Demokratie seit 1974. Aus der Super-Democracy-TV-Kiste springen die Politiker Puppen. Kostas Karamanlis, Andreas Papandreou, Kostas Mitsotakis, Kostas Simitis, Konstantinos Karamanlis etc. Jiorgos Papadopoulos, Junta-Chef, erwartet alle mit dem Knüppel in der Hand.

Wandmalerei in Exarchia: Genealogie der parlamentarischen Demokratie seit 1974. Aus der Super-Democracy-TV-Kiste springen die Politiker Puppen. Konstantinos Karamanlis, Andreas Papandreou, Kostas Mitsotakis, Kostas Simitis und Kostas Karamanlis. Jiorgos Papadopoulos, Junta-Chef, erwartet alle mit dem Knüppel in der Hand.

 

Einen Erfolg wie 2009 beim No Border-Camp auf Lesbos, wo es gelang, die krassen Zustände im Haftlager Pagani zu skandalisieren, so dass die Regierung es schließen musste, können sie sich heute nicht vorstellen: “Heute überbieten sich die bürgerlichen Parteien in der Forderung nach Internierungslagern und Ähnlichem.”

Zwar wollen die großen Parteien auf keinen Fall mit den Faschos koalieren und geben sich geschockt. Inhaltlich aber hat der rassistische Diskurs der Politiker ihnen den Weg bereitet, so die Einschätzung von Christos Giovanopoulos, Real-Democracy-Aktivist, den wir zum Thema befragen. “Das Hauptproblem ist, dass vor allem Pasok und Nea Dimokratia schon vor den Wahlen im Mai die Agenda für die Neonazis geschaffen haben – mit ihrem Gerede über die Migranten, über Aids und Prostitution und so weiter.” Hier ist ein Ausschnitt aus dem Interview.