“Das ist der Traum der europäischen Eliten”: Interview mit Apostolos Kapsalis

Bei unserer letzten Reise in Athen trafen wir uns mit Apostolos Kapsalis, Arbeitsrechts-Experte und beim Forschungsinstitut des Gewerkschaftsverbandes GSEE beschäftigt. Vor allem aber: Er ist ein kritischer Kopf, der als Mitgründer einer Basisgewerkschaft für die Köche und Kellner in Athen die Auseinandersetzungen und Arbeitskämpfe der letzten Jahre intensiv verfolgt hat.

Seine Einschätzungen zur Lage fast er in einem deprimierenden Satz zusammen: “Wenn du heute in Griechenland einen Arbeitsvertrag bekommst, ist das Beste, was du machen kannst, zum Copy Shop zu gehen und ihn zu kopieren, damit du wenigstens etwas in der Hand hast.” Er sagt, dass die Spar- und Reformpolitik die Arbeitsrechte in Griechenland in den letzten anderthalb Jahren zu 90 Prozent schlicht abgeschafft hat. Tarifvereinbarungen sind nicht mehr verpflichtend, das Streikrecht ist de facto ausgesetzt, Schlichtungsverfahren müssen Arbeitsgeber nicht mehr beachten und so weiter und so fort. “Das ist der Traum der europäischen Eliten. Sie nutzen die Krise als Möglichkeit, Arbeitsrechte komplett zurückzudrängen”, sagt Kapsalis und verweist auf die “grüne Bibel” zum Arbeitsrecht: Das “Green Paper” der EU vom November 2006 unter dem Titel “Modernising labour law to meet the challenges of the 21st century” – in dem sei all das, was jetzt in Griechenland exekutiert werde, schon vorgedacht gewesen. Hier könnt ihr es herunterladen

Wir sprechen mit ihm über die Auswirkungen von…

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Am Ende des Gesprächs erzählen wir ihm von David Harveys Vorschlag die sozialen Kämpfe nicht mehr nur als Arbeitskämpfe in den Fabriken zu begreifen, sondern als lokale Kämpfe, als Kämpfe um das Recht auf Stadt, in denen Allianzen auf kommunaler, auf Stadtteilebene zu bilden sind. “Ich kann den Mann nur beglückwünschen für diesen Vorschlag”, antwortet er und erklärt uns, dass seine Erfahrungen aus dem Bedeutungsverlust der griechischen Gewerkschaften bei sozialen Kämpfen in eine ähnliche Richtung deuten: “Es geht um Netzwerke der Solidarität für die working poor, die Alten, die Arbeitlosen, die Migrantinnen und Migranten.”