Jenseits der Eurozone

Eingeladen vom Frankfurter Kunstverein hat das Schwabinggrad Ballett im März 2012 vor der EZB Methoden der griechischen Basisdemokratie erprobt und performt.

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“Ich arbeite seit 14 Jahren hier und mein Lohn beläuft sich auf 1000 Euro. Aber alles ist teurer geworden, neue Steuern und alles. Wenn sie den Lohn auf 600 Euro kürzen, können wir davon nicht lösen. Wir haben die Entscheidung getroffen, zu kämpfen. Es gibt keine Alternative.

Es ist nicht so, dass der Staat zu schwach ist, um die Maßnahmen durchzusetzen. Die Politiker sind einfach komplett delegitimiert, das ist ihre Schwäche. Die Leute haben ihre Jobs verloren, oder sie haben seit Monaten kein Geldbekommen. Sie wollen ihr Leben nicht so weiterleben. Sie wollen nicht mehr Teil von etwas sein, dass sich gegen sie wendet.

Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren – es ist die Zeit der Monster.

Wir sind in dieser Situation erst seit zwei Jahren, das ist zu kurz für eine Radikalisierung, es gibt hier das revolutionäre Subjekt noch nicht. Aber es wird jeden Tag radikaler.

Wir geben unser Land anderen Ländern − und das ganz ohne Krieg. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Land seine Souveränität aufgibt ohne Waffengewalt, ohne einen Krieg verloren zu haben.

Klar gehe ich zur Demo morgen. Die Politiker haben Scheiße gebaut. Jetzt wissen sie nicht was sie tun sollen. Vor ihnen ist der Abgrund, hinter ihnen der reißende Fluss.

Das Zentrum hat gestern gebrannt, aber das waren keine Demonstranten. Das waren die „parakratiki“, die parastaatlichen Kräfte. Das sind keine Anarchisten, das sind Jugendliche, die von Zivilbullen manipuliert werden. Wir haben Fotos und Videos von Demos, wo diese Leute plötzlich hinter den Reihen der Polizei auftauchen.

Ich bin Mitte Fünfzig, ich habe studiert, ich bin qualifiziert − und ich kann nicht mehr leben von dem was ich verdiene. Meine Eltern müssen mich finanziell unterstützen. Das ist mir sehr unangenehm.

Mein Tante ist stolz darauf, dass ich Rechtsanwältin bin. Weil sie keine Ahnung hat! Du verdienst als Jurist hier 600 bis 700 Euro und muss dafür 12 Stunden und mehr arbeiten.

Selbst wenn wir irgendeine andere Geldquelle finden, was weiß ich, wenn China uns anbietet, die Schulden zu übernehmen − das ist uns laut Memorandum verboten! Wir dürfen unsere Schulden nicht zurückzahlen, wir sollen auf ewig Schuldner bleiben.

Die Medien haben am Montag nicht über die über eine Million Menschen berichtet, sondern über die Randale. Aber die Leute hören sich das nicht mehr an. Sie fürchten sich auch nicht mehr vor dem Tränengas. Wir haben schon im vergangenen Sommer die Omas und Opas gesehen, die „Bullen, Schweine, Mörder!“ rufen.

Wenn ich in Berlin die Menschen zur Arbeit gehen sehe, denke ich: So laufe ich, wenn ich spazieren gehe. Wenn ich normal laufe, dann in diesem krassen Tempo, das hier in Athen vorherrscht.

Ich werde nicht bezahlt. Also bezahle ich nicht.

Wir werden nie allein wohnen. Wir werden nie auf unseren eigenen Beinen stehen. Wir werden nie eine Familie gründen. Wir haben keine Träume, nur Sorgen ums Überleben. Wir sind die „Generation siebenhundert Euro“.

Wir wollen keine Avantgarde sein und auch nicht die „guten Samariter“. Neue Situationen erfordern neue Formen und das immer auch ein Lernprozess für alle. Bald werden sich Menschen vielleicht massenhaft selbst organisieren müssen. Wenn die Maßnahmen, die gestern beschlossen wurden, so umgesetzt werden, dann werden wir ein Dritte Welt-Land sein.

Wir versuchen gerade durchzusetzen, dass während unseres Streiks unsere laufenden Privatkredite eingefroren werden. Wir wollen keinen Schuldenerlass, nur einen Zahlungsstopp für die Zeit, in der wir keinen Lohn bekommen.

Wenn sie es durchsetzen können, dass die Stahlarbeiter für 400 Euro im Monat arbeiten, dann können sie es überall durchsetzen. Deshalb unterstützen die Menschen unseren Streik, weil sie wissen, was ihnen sonst blüht − dass sie nämlich für zwei Euro die Stunde schuften sollen.

Tja, die „Generation siebenhundert Euro“, das ist jetzt die „Generation fünfhundert Euro“. Die ganze Geschichte ist zusammengebrochen, der Mythos vom „Ich bilde mich aus, ich mache das, was mir gefällt und dann lebe ich davon.“

Sie sagen mir, die Welt sei ein unbezähmbares Monster / Und wenn es zubeißt, soll ich stillhalten / Und wenn sie befürchten, ich drehe gleich durch / Sagen sie mir, ich solle in eine Ecke heulen gehen.”